La Paz - Grand Canyon - Die Reiseseite von Doris und Herbie

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La Paz - Grand Canyon

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La Paz – Grand Canyon 01.04.2022 – 01.05.2022
 
Sämtliche Vorräte sind aufgefüllt, als es kurz nach Mittag endlich Richtung Norden losgeht. In Ciudad Constitucion gibt es einen netten Platz in der Badi zum Übernachten. Etwas südlich von Loreto bleiben wir noch 2 Tage in einer schönen Bucht hängen. Loreto ist ein «Pueblo Magico» mit einem hübschen Ortskern. Doch das Dorf wirkt am Nachmittag wie ausgestorben. Entsprechend aufdringlich werden wir von Eduardo, dem Tourismusverantwortlichen, begrüsst. Er hätte uns einiges zu erzählen und zu zeigen. Wir lehnen höflich ab, aber «Mision San Javier» habe ich aufgeschnappt. Auf Empfehlung der Campingplatzbesitzerin verwöhnen wir uns zum Abendessen mit einer Pizza im Mezzaluna. Am Abend hat es ziemlich viele Leute unterwegs. Keine Ahnung wo die sich tagsüber verstecken. Wir machen einen Abstecher in die Berge, um uns die von Eduardo angepriesene Mission anzuschauen. Es ist eine sehr schöne kurvige Strecke, und wir durchqueren viele ausgetrocknete Flussläufe. Die Mission wurde 1699 gegründet, und die Kirche von 1744-1758 unter der Leitung von Vater Miguel del Barco erbaut. Es entstand das Juwel der Missionskirchen in Baja California. Das Gebäude soll die ersten Glasfenster von Kalifornien gehabt haben. Die Mission musste 1817 mangels Kundschaft aufgegeben werden. Das Volk der Cochimi ist leider ausgestorben.
Im Garten der Mission gibt es einen über 300-jährigen Olivenbaum zu bestaunen.
Ostern rückt näher. Die Mexikaner werden ihre wohlverdienten Ferien am Strand verbringen wollen, und wir möchten dem Rummel lieber entgehen. Es bleiben aber noch ein paar Tage, die wir in der Bahia de Conception, genauer an der Playa Coyote verbringen. Wir ergattern einen Traumplatz neben einer schrägen Palme, und mit einer Palapa. Wir kaufen ein Fass Wasser zum Abwaschen und für die Solar-Dusche. Zusätzlich kostet der Platz 200 Pesos pro Nacht für Gringos. Der Preis sei für die Sauberkeit am Strand, und für die Kompost-Toiletten. Herbie baut aus einer kleinen Pet-Flasche eine Futterstation für Kolibris und wir erfreuen uns am regen Besuch. Fast unbemerkt füllt sich der Strand von Tag zu Tag mehr mit mexikanischen Grossfamilien, und am Palmsonntag geben wir unseren Platz frei. Der geschäftige Wasserfassverkäufer hat bemerkt das wir zusammenpacken und tritt sofort als Vermittler auf. Drei Familien werden unseren Platz übernehmen, 3 weitere Fässer Wasser und Miet-Kanu’s sind verkauft. Unsere Dusch-Palapa wird mit Bierkisten gefüllt. Höchste Zeit zu gehen.
Einige Kilometer weiter nördlich, in Mulege finden wir eine kleine Oase und einen superschönen Campingplatz. Die Haare müssen gefärbt und die Vorräte aufgefüllt werden. Nun freuen wir uns auf Santa Rosalia. Das Städtchen ist französischen Ursprungs und es gibt da diese «weltberühmte» französische Bäckerei aus dem Jahre 1901 und eine von Gustave Eiffel entworfene Kirche. Zielstrebig steuern wir die Bäckerei an. Endlich wieder mal richtiges Brot. Brot? Die Verkäuferin sieht uns verständnislos an. Brioche vielleicht? Ja, wenn es weiter nichts hat, dann nehmen wir mit Brioche vorlieb.
Wir besuchen die Mission San Ignacio Kadakaaman. Die Kirche wurde im 18. Jahrhundert gebaut und somit auch das Schicksal der Cochimi besiegelt. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts war auch hier das Volk ausgestorben.
Nun verlassen wir Baja California Sur. Kurz nach der «Grenze» nach Baja California (Norte) folgen wir einem Tipp von Freunden und besuchen eine Seelöwen-Kolonie. Die Piste endet in einem Fischerdorf, ab hier gibt es nur noch schmale sandige Pfade. Bei einem Leuchtturm kann man sehr schön übernachten. Aufgrund des unangenehmen Windes verschieben wir den Spaziergang zum Sea Lions Arch auf den nächsten Morgen.
Unsere Freunde Gabi und Roland, und Jila und Walter die wir seit Lo de Marcos immer wieder antreffen sind bereits im Campo Archelon, wo wir uns nun nochmals treffen, bevor wir alle in unterschiedliche Gegenden weiterreisen. Die Bahia de los Angeles ist erreichbar über eine 60 km lange Stichstrasse, und ist somit auch etwas ausserhalb des Ferienverkehrs.  Dazu kommt, dass der Strand nicht übermässig schön ist. Somit ein idealer Ort für die Osterferien. Wir verbringen ein paar gemütliche Tage zu sechst, und dann zu viert. Das Internet im kleinen Restaurant ist sehr zuverlässig, sodass wir uns hier um das ESTA und I-94 Formular für die Einreise in die USA kümmern können.
Nach einigem Hin- und Her entscheiden wir uns, das letzte Stück der Baja entlang des Golfs über San Felipe und Richtung Puerto Penasco zu fahren. Die Strecke nach San Felipe wollen wir in zwei Etappen machen. Die erste Übernachtung an einem Kiesstrand, in der Nähe von ein paar zerfallenen Häuser ist recht unangenehm. Es weht ein böiger heisser Wind, und in den windstillen Momenten werden wir von Fliegen belästigt. Ein kühles Bad im Meer ist sehr willkommen.
San Felipe ist bereits sehr amerikanisch. Die Beschreibung sämtlicher RV-Parks tönt nicht überzeugend und die Preise sind happig. Wir entscheiden uns für den Fischer-Club für 700 Peso pro Nacht. Dafür gibt es einen schmalen Betonplatz und weil wir Glück haben ein kleines Schattendach dazu, lauwarme Duschen und kein Internet. Das Wetter hier ist aber viel besser als an der Pazifik-Küste, und Roland und Gabi stossen überraschenderweise nochmals zu uns. Die beiden wollen nach Kalifornien, wir nach Arizona und somit trennen sich unsere Wege hier vorerst.
Seit La Paz gibt es kein Mobilfunksignal für unsere Schweizer-SIM-Karten mehr, und somit leider auch kein E-Banking. Kurz vor Mexicali funktioniert es auf einmal und wir legen eine etwas längere Mittagspause ein, um längst fällige Zahlungen auszulösen. Die Strecke nach Puerto Penasco ist wieder sehr einsam, so einsam, dass auf unserer Landkarte nicht mal eine Strasse eingezeichnet ist. Es gibt aber eine, und sie erst noch asphaltiert. Die Landschaft ist sehr speziell und man hat ein bisschen das Gefühl man sei auf dem Mond gelandet. Die Gegend heisst «Alto Golfo de California y Delta del Rio Colorado». Dieser hat hier längst kein Wasser mehr.
In Puerto Penasco wollen wir noch Wasser und Diesel füllen. Normalerweise gibt es die 20 Liter Flaschen Wasser im Oxxo. Für ca. 30 Sekunden blockieren wir einen Behinderten Parkplatz um festzustellen, dass es in diesem Oxxo keine solchen Faschen gibt. Doch diese Zeit reicht für die Polizei. Die Beamtin macht gerade das Beweisfoto als wir schon wieder einsteigen wollen. Keine Gnade. Unfreundlich fordert sie unsere Papiere ein, und wir müssen auf die Polizeiwache mitgehen um zu bezahlen. Wir sind dann auch nicht sehr entgegenkommend mit der Hilfe der Entzifferung der Papiere für den Übertrag auf den Bussenzettel. Die Schalterbeamtin ist aber umso netter und völlig aus dem Häuschen vor Aufregung, dass wir Schweizer sind, mit einem Schweizer Auto hier in Mexiko. Trotzdem kostet uns der Spass umgerechnet 30 Franken. Auf einem riesigen RV Park mit den ebenso riesigen amerikanischen Fahrzeugen sieht unser Camper aus wie eine kleine Ameise. Man spricht hier am Empfang bereits englisch und die Preise sind in Dollars. Ich bezahle mit Peso, und das Rückgeld kommt in USD. Es bleiben 100 km bis zur Grenze.
Der Grenzübergang Lukeville AZ ist klein. Es gibt praktisch keine Wartezeit, die Abwicklung ist sehr freundlich, schnell und unkompliziert. Wir haben nun drei Monate Zeit, um in eine völlig andere Welt einzutauchen. Wir freuen uns auf die Abwechslung.
Als erstes besuchen wir das Organ Pipe Cactus National Monument, nur etwa 20 km vom Grenzübergang entfernt. Alles ist geordnet, vorbildlich organisiert und ausgeschildert. Wir werden mit Informationen überhäuft. Wie bei jeder unserer USA-Reisen ist eine der ersten Amtshandlungen der Kauf des Jahrespasses für den Eintritt in die National Parks, National Monumente und Recreation Areas. Die 85 Dollars werden wir in wenigen Tagen schon «herausgeschlagen» haben. Campsites in Parks können fast ausschliesslich nur noch über das Internet vorgebucht und bezahlt werden. Wir haben Glück, und der Ranger bucht uns für diese Übernachtung ein. Gegen Abend machen wir eine kleine Wanderung auf einem perfekt ausgebauten Weg durch die Kakteen-Landschaft.
Den Scenic Loop Drive (Arch Loop) in einem anderen Teil des Parks wollen wir am nächsten Morgen machen. Es ist sehr heiss, und die Wanderung zum besagten Bogen sehr steil. Dafür werden wir mit einer tollen Aussicht belohnt.
Ajo, ein kleines Dorf, das früher von einer Kupfermine, und später vom Bau «der Mauer» gelebt hat wirkt ein bisschen trostlos. Wir starten unseren ersten Tankvorgang. Etwas hilflos sehen wir uns um. Niemand kommt, um uns zu betanken. Wir versuchen unser Glück mit der Kreditkarte an der Tanksäule. Abgelehnt. Ich gehe in den Shop und bringe unseren Wunsch nach Diesel an. Wieviel? Ja, voll! Das geht nicht, ich muss sagen wieviel. Das kann ich nicht sagen, wir möchten einfach so viel füllen bis es voll ist. Ich bekomme nun eine Einweisung in das «Tanken in USA». Man gibt an wieviel, und bezahlt im Voraus. Wenn alles reinpasst, gut, wenn nicht wird der Restbetrag automatisch der Kreditkarte gutgeschrieben. Ohne dass ich nochmals in den Laden reinkommen muss? Automatisch? Das gefällt mir nicht, aber es scheint hier so gebräuchlich zu sein, also muss das getestet werden. Ich bezahle 25 Dollars, wir tanken für 15. Die 25 Dollar-Belastung wird sofort auf meinem Revolut Konto angezeigt, die Gutschrift von 10 bleibt natürlich aus. Erst 2 Tage später sehe ich die definitive und auch korrekte Buchung. Die Dusche auf dem RV Park funktioniert mit Quarter Stücken. Up to 10 Coins sind möglich für maximal 10 Minuten Wasser. Ich werfe die erste Münze ein, und es passiert nichts. Na gut, dann halt nicht. Auch in der nächsten Duschkabine, einen Quarter rein, nichts. Also heisst es wieder anziehen, zusammenpacken und zurück zum Campingplatz-Host. Ah ja, klar. Man muss natürlich mindestens zwei Münzen einwerfen, damit es funktioniert. Ja nee, ist klar.
In Buckeye, kurz vor Phoenix steuern wir ein Walmart Super Center an. In der riesigen Mall gibt es alles was wir brauchen. Sämtliche Mobil-Anbieter sind hier, eine Bank of America Filiale und den Walmart mit Übernachtungsmöglichkeit auf dem Kundenparkplatz. Um diese beliebte Form des Campierens etwas unattraktiver zu machen, werden wir die ganze Nacht mit Musik berieselt werden. Wir beziehen Bargeld, und klappern AT&T, Verizon, T-Mobile und wie sie alle heissen ab, um das für uns günstigste Angebot ausfindig zu machen. Wir landen im Walmart und kaufen Straight Talk auf Empfehlung der Verkäuferin. Nun müssen wir nur noch den drei easy steps folgen, das ganze aktivieren und zu laufen bringen. Wir kommen nicht sehr weit, bis das System uns sagt, das unser Telefon gar nicht geeignet ist. Zurück zum Walmart erklärt uns der Leiter der Elektronik Abteilung, dass das zwar schade sei, aber er hier nun auch nicht weiterhelfen kann. Eine Rücknahme ist ausgeschlossen. Aber vielleicht habt Ihr ja beim Kundendienst Glück. Das haben wir in der Tat. Auch hier werden wir zuerst informiert, dass kein Geld zurückgezahlt werden kann, aber wir das Ding über die Hotline sicherlich zu laufen bringen werden. Nach kurzer Diskussion bekommen wir eine junge Angestellte zur Seite gestellt, die sich mit der Hotline, bzw. der Blechstimme solange auseinandersetzt, bis die Karte läuft, und unser Telefon doch kompatibel ist. Dafür bekommt sie ein Säcklein Walmart Pralinen «made in Switzerland» geschenkt. Das einzige wichtige, was leider im Walmart nicht mehr verkauft wird, ist der Rand Mc Nally Road Atlas. Eine US Reise auf dem Handy Bildschirm zu planen ist für uns nicht möglich. Wir machen uns auf die Suche nach einem Barnes und Noble Buchladen, wo wir gerade noch das zweitletzte Exemplar erwischen. Nun kann es richtig losgehen. Unser erstes Ziel ist die Region Sedona und Flagstaff. Der State Park Camping ist bereits Mitte Nachmittag ausgebucht und wir weichen auf eine Forest Road aus. Auch hier sind die Stellplätze überaus gut besucht. Im Zentrum von Sedona ist die Parksituation unübersichtlich und die Autos stehen bis weit über die Stadtgrenze verstreut am Strassenrand. Das ist nichts für uns. Die Strecke Richtung Flagstaff ist sehr schön. Zufälligerweise haben wir auf der berühmten «recreation.gov» Seite, (gem. Ranger unser «best friend») wo man die Campingplätze in den Parks buchen muss, die letzte freie Site für Wochen im Grand Canyon buchen können. Wir fahren deshalb auf direktem Weg zum Osteingang. Unterwegs möchten wir noch eine Mittagspause einlegen, doch sämtliche Strassen die vom Highway abzweigen sind abgesperrt. An einer Ausfahrt sehen wir ein anderes Auto direkt hinter den orangen Blöcken stehen. Da gehen wir auch hin und essen etwas. Wir stehen hinter ein paar Büschen, eigentlich unsichtbar von der Strasse aus. Auf einmal gibt es einen Riesenlärm an der Absperrung. Zwei Fahrzeuge mit Rangern und eine Gruppe ATV’s. Warum müssen die gerade hier alle anhalten? Natürlich sehen uns die Ranger so, und kommen sofort auf uns zu. Ob wir denn das Schild nicht gesehen hätten, es gäbe hier ein Feuer in den Bergen oben, und es sei alles gesperrt. Aber wir dachten, so kurz nach der Absperrung dürfe man schon anhalten. (Weil es ist ja weit und breit kein Feuer, nein nicht mal Rauch am Horizont auszumachen) Nein, das sei «restricted» und das gehe nicht. Wir bekommen ein Flugblatt mit den entsprechenden Paragraphen ausgehändigt, und dürfen, bzw. müssen sofort weiterfahren. Glück gehabt.
Der Anblick des Grand Canyon ist, auch beim fünften Besuch immer noch überwältigend. Wir besuchen ein paar Aussichtspunkte und warten auf den Sonnenuntergang. Auf dem Desert View Campground eine zweite Nacht anzuhängen ist unmöglich, obwohl aufgrund des Buchungssystem ca. 10% der Plätze leer sind. Das ist schade. Wir fahren Richtung «Village» und unternehmen beim Grand View Point eine Wanderung in den Canyon hinunter. Für eine dreistündige Wanderung planen wir eine Stunde Abstieg, eine Mittagspause und knapp zwei Stunden Aufstieg ein. Im Village gibt es Duschen, die wir jetzt unbedingt nötig haben. Nur einige wenige Meter nach dem südlichen Parkeingang gibt es Übernachtunsplätze im Nationalforest. Diese Möglichkeit nutzen wir, um am nächsten Tag nochmals in den Park zurückzukehren. Es gibt eine Windwarnung, und tatsächlich ist es sehr unangenehm staubig entlang auf dem Spaziergang entlang des Rims. Panierte Bananen zum Mittagessen sind auch nicht wirklich toll.
Seit einigen Tagen sind wir mit Freunden aus der Schweiz im Kontakt, die für drei Wochen in den USA Urlaub machen. Es scheint, als könnten wir es einrichten, dass sich unsere Routen im Bryce Canyon kreuzen. Dahin machen wir uns nun auf den Weg.
 
 
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