Oaxaca - San Cristobal de las Casas - Die Reiseseite von Doris und Herbie

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Oaxaca - San Cristobal de las Casas

Aktuelle Reisen > 2021 Mexiko
Oaxaca – San Cristobal de las Casas 01.10.2021 – 31.10.2021
Die Tage im El Rancho verlaufen gemütlich. Das Wetter ist perfekt. Wir sind jeden Morgen unterwegs zu den Hundchen, Anke übernimmt die Nachmittagsfütterung.
Ein letztes kleines Projekt wollen wir noch durchziehen. Wir wollen 2 Zelt-Heringe kaufen, damit wir unsere Sonnenstore abspannen können, und nicht beim kleinsten Windstoss einrollen müssen. Tönt einfach, ist es aber nicht. Der beliebte Internetshop von Jeff Bezos kann ab mexikanischem Lager auf jeden Fall nicht liefern. Und dafür einen Import aus den USA zu machen ist auch ein bisschen übertrieben. Walmart und Sam’s Club haben «Camping» bereits weggeräumt und dafür die Weihnachtsachen aufgebaut. Wir schwingen uns auf die Fahrräder und versuchen unser Glück in den kleinen Ferreterias entlang einer geschäftigen Strasse. Heringe gibt es nirgends. Doch irgendwo in einem dieser Läden finden wir etwas, was zwar nicht ganz passt, jedoch von einer Dreherei passend gemacht werden kann. Ein weiterer Aufsteller an diesem Nachmittag ist ein Sportplatz. Ein paar Jungs spielen Fussball und Eltern stehen am Spielfeldrand und sehen zu. Nirgends ist ein Aufseher mit einem Fiebermesser und einer Antibakteriell-Gel Flasche zu sehen. Schön. Der Staat Oaxaca ist seit ein paar Tagen «grün».
Es ist Zeit, ein Abreisedatum festzulegen. Der 11.10., ein Montag bietet sich an. Doch es kommt wie es kommen muss. Claudia erzählt uns von einem Facebook Post, der behauptet, dass «Hierve el Agua», eine seit 18 Monaten geschlossene Sehenswürdigkeit hier in der Nähe, am 13.10.2021 wieder für Touristen öffnen soll. Zusätzlich ist am 14.10. der Geburtstag von Cali, der guten Seele des Platzes, der gebührend gefeiert werden soll. Und darüber hinaus organisieren die Kanadier auf dem Platz für den Samstag danach ein Thanksgiving Truthahnessen. Die Entscheidung fällt uns leicht, die Abreise wird auf den 18.10.2021 verschoben.
Wir recherchieren im Internet um zu verifizieren, dass Hierve el Agua wirklich öffnet. Dies scheint der Fall zu sein. Wir entscheiden uns zusammen mit Claudia und Thomas, den Ort mit Yorch, dem Hoftaxifahrer von El Rancho zu besuchen. Natürlich wollen wir bei den ersten sein, die Hierve el Agua besuchen und buchen die Fahrt gleich für den Eröffnungstag. Fast pünktlich um 8 Uhr erscheint Yorch mit seinem Taxi, und liefert gleichzeitig auch den bestellten Truthahn bei Jason ab. Wir fahren los, und alles läuft planmässig, bis wir nach etwas mehr als einer halben Stunde an einer Autobahn-Zahlstelle ankommen. Ein grosses Schild sagt: Hierve el Agua geschlossen, bitte hier wenden. Quatsch. Wir lassen uns nicht beirren, auch nicht von der Aussage der Polizei, dass wirklich geschlossen sei. Wir bezahlen die Maut, und weiter geht es. Eine gute Viertelstunde später erreichen wir ein Dorf, welches man passieren muss, und werden informiert, dass hier aufgrund von Covid keine «Auswärtigen» erlaubt sind, auch nicht als Transit im geschlossenen Taxi. Unterdessen erhalten wir eine Mitteilung von anderen Reisenden, die mit einer Tour nach Hierve el Agua unterwegs sind. Die klassische, einfache Zufahrt sie nicht möglich, man muss die Route über Mitla nehmen. Eine schlechte Erdstrasse führt ausserhalb von Mitla über die Berge, und es muss mit einer erheblichen Zeitverzögerung gerechnet werden. Da nur 200 Besucher pro Tag zugelassen werden, hoffen wir natürlich, dass es für uns trotzdem noch reicht. Die Fahrt über die holprige Strasse ist landschaftlich ganz toll. Auch Yorch macht es Spass, obwohl sein Taxi an den steilsten Stellen an seine Grenzen kommt. Nur wenige Fahrzeuge haben vor uns den Parkplatz erreicht. Die verlassenen Restaurants und Verkaufsstände vor dem Eingang bieten ein Bild zum Weinen. Hierve el Agua ist ein System von versteinerten Wasserfällen, die aus Kalziumkarbonat bestehen. Die Wasserfälle sind natürlichen Ursprungs und wurden vor Tausenden von Jahren durch den Abfluss von Wasser mit hohem Mineralgehalt gebildet. Mit ein bisschen Überredungskunst können wir Yorch überzeugen, mit uns zu kommen, da er den Eintritt ohnehin bezahlen musste. Wir spazieren bis zum Fuss des höchsten Wasserfalls, nehmen ein kleines Picknick, Claudia sogar ein Bad, und machen uns dann auf den Rückweg über die Berge. Wie schön, endlich wieder etwas «touristisches» unternommen zu haben! Glücklich und zufrieden kommen wir gegen Abend im El Rancho an.
Die El Rancho Langzeit-Camper haben Geld zusammengelegt, um Cali ein Geburtstagsgeschenk machen zu können. Um 15 Uhr versammeln sich alle in der Palapa, und unter dem Vorwand, in der Küche sei eine Riesensauerei locken wir Cali an. Er ist ganz überrascht, und vielleicht auch ein bisschen überrumpelt. Wir singen Happy Birthday und überreichen ihm ein, mit seinem Namen eingraviertes Victorinox Messer. Petra und Stefan haben bei «Quemen» zwei Torten organisiert, und alle lassen es sich schmecken. Am nächsten Morgen winkt uns Cali zur Seite und gesteht ein bisschen verschämt, dass er die Klingen des Messers nun geöffnet hat, sie aber nicht mehr schliessen kann. Herbie erklärt so gut wie möglich den Mechanismus und sagt, er soll das Messer doch wieder mitbringen, damit er es ihm zeigen kann. Dies macht er schliesslich, nachdem er sich zu Hause bereits bei Schliessversuchen in die Finger geschnitten hat. Herbie erklärt ihm nochmals alles und zeigt ihm auch den Zahnstocher und die Pinzette. Nun kann er das Messer stolz an seinem Gürtel tragen.
Der von Yorch gelieferte Truthahn hat sich als zu klein erwiesen, und unsere kanadischen Freunde organisieren einen weiteren Truthahn und eine Ente. Jede Familie steuert etwas bei, und es entsteht ein Thanksgiving Buffet der Superlative. So hat sich unsere Zusatzwoche voll und ganz gelohnt. Nicht nur für uns, sondern natürlich auch für unsere Hundchen, die am Sonntagmorgen mit Truthahn- und Entenknochen verwöhnt werden. Wir haben mit Anke und Petra vereinbart, dass wir die beiden jungen Hündinnen kastrieren lassen wollen. Wir leisten einen finanziellen Beitrag, und Anke und Petra übernehmen zusätzlich noch den organisatorischen Teil des Unterfangens. Wir werden dann per WhatsApp über die Aktion auf dem Laufenden gehalten.
Uns so bricht unser Abreisetag an. Ein letztes Mal gehen wir auf die Hunderunde, und ein letztes Mal auch zum Gemüsehandler. Bis wir uns von allen verabschiedet haben, wird es gut 13 Uhr. Petra gibt uns noch ein selbstgehäkeltes Äffchen als Talisman mit auf den Weg! Herzlichen Dank dafür! Gut haben wir uns nicht eine allzu grosse Etappe vorgenommen. Über die bergige Hauptstrasse 175 erreichen wir gegen Abend die Hauptstadt der Magic Mushrooms, das kleine Bergdorf San José del Pacifico. Auf dem Parkplatz eines Restaurants dürfen wir für die Nacht parkieren. Der Besitzer regt an, dass wir im Restaurant essen, und auch auf den gängigen Reiseportalen eine gute Bewertung hinterlassen. Aber klar doch, machen wir. Das Essen schmeckt ausgezeichnet, und wir schlafen etwas schräg, doch sehr ruhig. Die zweite Etappe führt uns bergauf und bergab an den Pazifik. Wir haben uns den Overlander Platz «Don Taco» in der Bucht von San Agustin ausgesucht. Kurz vorher feiern wir noch 333333 km auf dem Tacho. Bei Don Taco holen wir Claudia und Thomas ein, die El Rancho einen Tag vor uns verlassen haben. Die Bucht, und auch der Stellplatz sind wunderschön. Die Wassertemperatur muss gegen 30 Grad warm sein, ansonsten würde ich nicht täglich zweimal im Meer baden. Am Sonntag lassen wir uns noch zu einer Bootstour hinreissen. Diese geht drei Stunden und wir sehen ein paar Schildkröten, Delfine und einen Adlerrochen. Dann gibt es Schnorchel Stops in malerischen Buchten. Ich für mich geniesse das Floaten mit der Schwimmweste. Nach kurzen sieben Tagen bei Don Taco geht es weiter der Küste entlang. Wir hören von einer Strassensperre in Santa Maria und bereiten uns mental schon auf eine lange Wartezeit vor. Offenbar haben die Dorfbewohner ihre Forderung erfüllt bekommen und wir kommen ohne Blockade nach Playa Bamba durch. Hier kann man frei übernachten. Es ist wunderschön, doch die Sandflies sind mühsam und die Hitze fast unerträglich. Am nächsten Morgen, bei der Rückfahrt auf die Hauptstrasse treffen wir nun doch noch auf eine «Strassensperre». Ein paar ältere Herren haben ein Seil über die Strasse gespannt, welches sie mit blossen Händen halten. Natürlich könnten wir diese Blockade ohne weiteres durchbrechen. Wir halten aber an und erkundigen uns nach dem Grund für die Sperre. Nun, wir müssen bezahlen. Aha, wieviel denn und wofür. 100 Pesos pro Person, damit wir hier den Strand besuchen können. Wir finden 100 Pesos pro Person ziemlich teuer, und der Strand ist doch eigentlich öffentlich. Schon, aber nicht die Strasse, die da runterführt. Ach so. Nun gut, nach einigem Hin und Her einigen wir uns auf einen Totalbetrag von 90 Pesos.
Wir kommen gut voran und erreichen um die Mittagszeit den Bundesstaat Chiapas. Wir fühlen uns sofort wohl und es gefällt uns sehr gut. Als Übernachtungsplatz wählen wir Aguacero aus. Eine schmale Erdstrasse führt steil in eine Schlucht. Gerade noch rechtzeitig vor Schliessung kommen wir an. Die Mitarbeiter gehen alle nach Hause und wir haben den Platz für uns allein. 800 Stufen führen hinab zum Fluss und dann über Stock und Stein an einen Wasserfall. Den unwegsamen Pfad zum Wasserfall sparen wir uns wegen einbrechender Dunkelheit für den nächsten Morgen auf. So kommen wir in den Genuss von insgesamt 3200 Stufen!
Die nächste Tagesetappe ist nur etwa 30 Kilometer und führt uns zum Sima de las Cotorras. Dies ist ein 140 Meter tiefes Senkloch, in welchem kleine grüne Papageien (Cotorras) leben, deren gemeinsamer Ausflug man in den frühen Morgenstunden beobachten kann. Der Platz ist zweifellos sehr schön, doch die Betreiber haben kein Gespür für ein angemessenes Preis- Leistungsverhältnis. 400 Pesos werden noch vor dem Eingangstor fällig. Die Dame nimmt unseren 500 Peso Schein entgegen und hat natürlich kein Wechselgeld. Sie will im Restaurant wechseln gehen, und wir erwarten naiver weise, dass sie in Kürze auf dem Stellplatz erscheinen, und uns die 100 Peso bringen wird. Der Stellplatz ist eine kleine Grasfläche, ohne nichts. Die Toiletten sind basic und die Duschen funktionieren nicht. Die Dame sehen wir nicht wieder. Wir machen uns zu Fuss auf den Weg zum Restaurant. Der Besitzer will uns als erstes desinfizieren, und erklärt dann, dass man den Papageien kostenlos beim Fliegen zuschauen darf, alle anderen Aktivitäten, wie Abseiling, Tyrolean und historischer Wanderweg zahlbar seien. Ich frage, ob man denn in das Sinkhole hinabsteigen könne. Ja, das sei möglich, versichert er. Nun kommen wir langsam auf den Grund unseres Besuchs zu sprechen. Ich rede von unserem 500 Peso-Schein. Das Kerlchen weiss ganz genau Bescheid und kramt sofort einen 100 er aus seiner Trainerhose. Gut, dann ist das ja mal geklärt. Wir machen uns als nächstes auf die Suche nach dem Pfad, welcher auf den Grund des Senklochs führt. Bald werden wir fündig. Irgendwo liegt ein «No pasar» Schild verkehrt auf dem Boden. Wir gehen weiter. Entlang der Felswand ist ein Drahtseil gespannt, wahrscheinlich ein Handlauf. Auf der anderen Seite als am Abgrund, sind zuerst noch Gebüsch und Bäume, welche uns vor den Blicken aus dem Restaurant verbergen. Bald sehen wir etwas weiter vorne eine abenteuerliche Indiana Jones Hängebrücke und Leitern. Es wird klar, dass wir hier nicht weiterkönnen. Nur noch ein paar Schritte für ein letztes Bild. Es ertönt ein scharfer Pfiff vom Restaurant. Das ist nicht gestattet, nicht gestattet, nicht gestattet ruft unser Freund in den Trainerhosen herüber, sofort umkehren. Klar doch, machen wir. Wollten wir ja ohnehin. Ein paar Minuten später kommt er uns im Laufschritt entgegen. Das dürft Ihr nicht, das geht nicht, das ist gefährlich. Ich merke an, dass ich gefragt habe, ob man in das Senkloch hinabsteigen könne, und verstanden habe, dass er ja gesagt hätte. Ja, sagt er, aber doch nicht wandern! Das sei eine Abseiling Strecke. Ach so, dafür wohl auch das Drahtseil, um sich einzuklinken. Früh am nächsten Morgen weckt uns der Wecker und das Geschrei der Papageien. Die ersten Tourbusse treffen ein. Wir begeben uns zum Rand des Lochs und warten auf die Vogelschar. Kurz vor 8 Uhr schafft es die Bande sich hochzuschrauben und verlässt für einen weiteren Tag lautstark ihr Zuhause. Wir freuen uns auf unser Frühstück, müssen aber feststellen, dass unser Brot geschimmelt hat. Bestimmt können wir im Restaurant ein bisschen Brot bekommen. Aber sicher, ein «Serving» bestehend aus vier kleinen Bissen Brot von der Vorwoche kosten 20 Pesos. Obwohl ich extra erwähne, dass die angepriesene Dusche auf dem «Camping» wirklich nicht zu gebrauchen sei, hat er sich dafür, die 20 Pesos für die mickrigen Brötchen zu nehmen.
Unser nächstes Ziel ist der Cañón del Sumidero. Der Cañón del Sumidero ist eine tiefe Schlucht mit bis zu über 1.000 m hoch aufragenden Felswänden, 15 km nördlich bis 15 km östlich der Hauptstadt Tuxtla Gutiérrez, die vom Río Grijalva erst in nördlicher und dann in westlicher Richtung durchflossen wird. Ihre Entstehung begann vor 35 Millionen Jahren – also etwa gleichzeitig mit dem Grand Canyon in Arizona (USA). Es gibt die Möglichkeit, eine Bootstour zu unternehmen, oder im Nationalpark an der Kante der Schlucht eine Fahrt mit verschiedenen Aussichtspunkten zu unternehmen. Wir entscheiden uns für letzteres. Die Strecke ist 17 km lang bis zum letzten Punkt und bietet schöne Aussichten in die tiefe Schlucht. Auf dem gleichen Weg geht es zurück.
Nun nehmen wir die letzten Kilometer über die Quota 190 unter die Räder, um noch vor dem langen Wochenende des Dia de Muertos in San Cristobal de las Casas auf dem Campingplatz Rancho San Nicolas einzutreffen. Wir stellen fest, dass wir sämtliche Camper, die hier schon stehen, bereits von El Rancho in Oaxaca kennen. Wir sind nun auf 2150 MüM. Das heisst, am frühen Morgen, gegen Abend und in der Nacht wird es empfindlich kühl. Eine grosse Umstellung im Vergleich zu der Hitze am Pazifik. «San Cris» wurde als Pueblo Magico ausgezeichnet. In den engen Gassen der Altstadt lässt es sich toll flanieren. Es gibt viele schöne Cafés und Läden. Die Vorbereitungen für den Dia de Muertos laufen auf Hochtouren. Auf der «Guadelupe», der Hauptstrasse im Ort herrscht geschäftiges Treiben.
In der Zwischenzeit haben wir aus El Tule den Bescheid bekommen, dass eines der beiden Hundemädchen bereits erfolgreich sterilisiert und nach ein paar Tagen wieder glücklich bei Mutter und Schwester abgeliefert wurde. Besagte Schwester hat sich bisher der Ergreifung durch Anke widersetzt. Doch es kann sich nur noch um Tage handeln, bis sie zutraulich genug ist.
Wir geniessen die sonnigen Tage und flanieren durch die malerischen Strassen mit den hübschen farbigen Häusern. Glücklicherweise haben wir auch hier eine französische Bäckerei gefunden, die sehr gut zu Fuss erreichbar ist.
Wir bleiben sicher noch ein paar Tage hier, müssen uns aber in den nächsten zwei bis drei Wochen um ein neues Visum kümmern.
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