Patagonia Park - Redentor Pass - Die Reiseseite von Doris und Herbie

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Patagonia Park - Redentor Pass

Aktuelle Reisen > 2018 Südamerika
Patagonia Park – Cristo Redentor Pass 03.02.2019 – 08.03.2019
Der Parque Patagonia wurde vor ca. 10 Jahren vom US-Amerikaner Douglas Tompkins (Besitzer North Face, Esprit) und dessen zweiter Ehefrau Kristine (Besitzerin Patagonia) gegründet, und erst 2017 aus dem Privatbesitz der Familie dem chilenischen Staat übergeben. Genau wie im Parque Pumalin weiter nördlich an der Carretera Austral sind auch hier die Einrichtungen weit über dem chilenischen Standard gebaut. Die drei Campingplätze sind aber leider nur auf Rucksackreisende ausgelegt. Die Plätze sind vom Parkplatz aus nur zu Fuss erreichbar. Wir dürfen auf dem Parkplatz stehen, müssen aber trotzdem 8000 CLP pro Person bezahlen. Dafür muss kein Parkeintritt entrichtet werden, und auch die zahlreichen Wanderungen sind kostenlos, was in Chile und Argentinien nicht selbstverständlich ist. Das Wetter ist nach wie vor sommerlich heiss und windstill, und nur die lästigen Bremsen und kleinen Fliegen stören die Idylle im Park. Wir entscheiden uns für eine 16 km Wanderung durch ein wunderschönes Tal, und sind froh, dass wir nach der Wanderung nochmals eine erfrischende Dusche nehmen können. Danach fahren wir weiter zum Parkeingang in der Nähe der Carretera Austral. Auch das Besucherzentrum übertrifft bei weitem, was man sich sonst von den südamerikanischen Parks gewohnt ist.
Nach einem kurzen Abstecher nach Cochrane zur Aufstockung der Frischvorräte, fahren wir wieder nordwärts. Wir wollen heute unbedingt noch Puerto Rio Tranquillo erreichen, was wir erst gegen 20 Uhr schaffen. Für den kommenden Tag ist nochmals traumhaftes Wetter angesagt. Dies wollen wir für die Bootstour zu den Marmorhöhlen nutzen. Wir übernachten in der Nähe der Hütten der zahlreichen Tour-Operators und stehen früh am nächsten Morgen bereit. Wir schaffen es auf die 9 Uhr Tour. Tatsächlich sind die letzten zwei Tage und heute die Besten der bisherigen Sommersaison. Die Tour ist absolut empfehlenswert und einzigartig. Der türkisfarbene See und das Marmorgestein in unterschiedlichen Formationen sind äusserst fotogen.
Die Strasse in das Valle Exploradores wurde im Oktober vergangenen Jahres bei Kilometer 26 von einem Erdrutsch zerstört und das Tal ist ausser einem Notbetrieb mit Booten auf dem so entstandenen Stausee von der Umwelt abgeschnitten. Doch auch das kurze Stück bis zum Ende der befahrbaren Strasse ist landschaftlich wunderschön. Wir wollen noch den letzten Sommertag ausnutzen und fahren nur noch ein kleines Stück weiter an einen schönen Stellplatz am Rio Murta. Das erste Mal seit langer Zeit können wir wieder draussen zu Abend essen.
In Coyhaique wollen wir ein paar Tage auf „El Camping“ verweilen. Die Stadt ist das Versorgungszentrum der Region und bietet alles, was wir brauchen. Das Internet auf dem Camping ist relativ gut, und reicht bis zu uns ins Wohnzimmer. Die Wiese, wo wir das letzte Mal standen, ist jetzt eine kleine Zeltstadt. Es ist ein stetiges Kommen und Gehen von fast ausschliesslich jungen Leuten. Wir verbringen die Zeit mit kleinen Reparatur- Umbau- und PC-Arbeiten.
Auf der Fahrt Richtung Norden haben wir enormes Wetterglück. Von einem Aussichtspunkt aus sehen wir im Tal einen wunderschönen Campingplatz direkt am Rio Cisnes. Wir entscheiden spontan, hier einen gemütlichen Nachmittag zu verbringen. Leider erhalten wir am Abend Nachbarn, zwei chilenische Familien bauen ihre fünf Zelte auf, es wird Feuer gemacht, herumgegrölt und geschrien bis in die frühen Morgenstunden. Niemand beschwert sich, ausser Herbie. Doch seine auch nicht ganz leise Aufforderung, endlich Ruhe zu geben wird von der Truppe nicht einmal wahrgenommen. Schade dass der schöne Platz zwar Hochsaison-Preise aufruft, jedoch den Service und die Leistungen in dieser Zeit verringert. Entsprechend sehen am nächsten Morgen auch die Duschen und WC’s aus.
Jetzt mit schönem Wetter und klarer Sicht wird das Ausmass der massiven Schlammlawine im Jahr 2017 bei Santa Lucia erst richtig sichtbar. Eine unvorstellbare Masse an Schlamm muss sich durch dieses Tal gewälzt und grosse Teile des Dorfs und der Strasse zerstört haben.
Auf der Suche nach einem ruhigen Übernachtungsplatz am Fluss finden wir eine kleine Stichstrasse, die offenbar auf ein Privatgelände führt. Wir stellen uns mal hin und warten ab. Etwas später trifft die Familie mit dem Traktor ein, und erteilt uns die Erlaubnis an diesem schönen Ort zu übernachten. Herbie macht sich auch gleich nützlich, und hilft das viele Holz vom Wagen abzuladen.
In Chaitén müssen wir uns um einen Platz auf der Fähre von Galeta Gonzales nach Hornopiren bemühen. Die nächste Möglichkeit ist in vier Tagen. Das gibt uns die Gelegenheit, am Strand von Santa Barbara unsere Freunde, die Haslingers zu treffen, und dann noch ausgiebig den Pumalin Nationalpark zu erkunden. Wir machen ein paar schöne Wanderungen, und den kurzen aber nicht minder spektakulären 700 Meter Rundgang durch den Alercen-Märchenwald. Die bis zu 3000 Jahre alten Bäume sind wirklich sehr imposant.
Die Fähre nach Hornopiren ist wie erwartet bis auf den letzten Platz ausgebucht. Die Fahrt bei allerbestem Wetter, die wir mit Victor und Monica geniessen, ist ein würdiger Abschluss für unsere Zeit auf der Carretera Austral. 100 km nördlich von Hornopiren erreichen wir in Puerto Montt wieder den Km 0 eben dieser Carretera. Im Jumbo Supermarkt verfallen wir in einen richtigen Kaufrausch und decken uns mit allerlei Leckereien ein. Das Angebot auf der riesigen Ladenfläche ist das Beste seit langem.
Am Lago Llanquihue finden wir einen schönen Stellplatz in der Nähe des beliebten Ferienorts Frutillar. Unser nächstes Ziel ist, den perfekt geformten Vulkan Osorno zu sehen. Leider sind wir dabei vom Wetter abhängig. Wir verbringen einen gemütlichen Tag an der Strandpromenade und sehen zu, wie die Wolken sich über dem Vulkan allmählich zu lichten beginnen. Der Anblick ist überwältigend, und das Warten hat sich gelohnt.
Am Abend treffen wir nochmals Haslingers auf unserem Stellplatz. Wir sind zu Crepes eingeladen und geniessen den geselligen Abend im „Friedli“, dem Camper von Ueli und Susanne.
Für die nächsten circa 200 km nehmen wir die Autobahn nach Norden. Wir brauchen wieder einmal einen Campingplatz und eine Stadt mit einer guten Infrastruktur. Grosse Wäsche waschen lassen, Putzen und nicht zuletzt eine Dusche sind überfällig. Villarrica ist eine hübsche kleine Stadt. Es hat zwar viele Besucher, doch hat man den Eindruck, dass hier auch ausserhalb der Ferienzeit Menschen leben. Anders als im nahegelegenen, quirligen Pucon, welches hauptsächlich aus Touranbietern, Restaurants und Sportgeschäften besteht. Wir bringen zwei grosse Taschen Wäsche in die Lavanderia. Die gewaschene Wasche wird jeweils in riesige Plastiktüten zur Abholung fertig gemacht. Um diesen Plastik zu vermeiden fragen wir, ob man unsere gewaschene Wäsche nicht wieder in die Taschen packen könne. Selbstverständlich! Als wir am Abend wieder auf der Matte stehen, ist die Wäsche, wie schon ein bisschen vermutet, fein säuberlich in Plastiksäcke verpackt, und unsere beiden Taschen sind unauffindbar. Prima. Die nette Dame stellt die Wäscherei buchstäblich auf den Kopf, kriecht unter Tische und Ablagen und wird schlussendlich hinter weiteren riesigen Plastiksäcken fündig.
Auf den Weg in den Conguillio Nationalpark mit dem zweitaktivsten Vulkan in Chile, dem Llaima geraten wir seit langen wieder mal in eine Polizeikontrolle und werden angehalten. Ausweiskontrolle und Alkoholtest. Das Resultat ist wie erwartet 0.0%. Der Polizist fragt nach unserem Ziel und erklärt dann, dass der Park aber ab 14 Uhr geschlossen sei. Wieso das denn? Ja es sei wegen der „temporada alta“. Dummerweise mutiert temporada auf dem Weg von meinem Ohr zum Gehirn zu temperatura, und sofort frage ich mich, wer hier genau einen Alkoholtest machen sollte. Die spinnen die Chilenen. Es ist keine 20 Grad draussen und die schliessen einen Nationalpark wegen zu hohen Temperaturen?
Tatsächlich stellt sich heraus, dass der Park in der Hochsaison dermassen überlaufen ist, dass die Infrastruktur einfach nicht mehr Leute erträgt. Die Strassen sind schmal, holprig und steil und die Parkplätze klein. Als wir um 17 Uhr rein dürfen hat sich die Lage entschärft, und wir finden einen ruhigen Übernachtungsplatz am Fuss des Vulkans.
Die Wanderung zum Sierra Nevada Aussichtspunkt ist spektakulär. Es geht während 6 km stetig bergauf durch herrliche Araukarienwälder, bis man schliesslich an der Baumgrenze den Mirador erreicht. Man sieht in der Ferne sogar noch den Vulkan Villarrica.
Auf einem kurzen Rundweg um den Lago Captrén erzählt uns eine chilenische Dame vom Vulkan Lonquimay und dem Aussichtspunkt auf eine ganze Kette von Vulkanen. Spontan entscheiden wir uns, diesen Abstecher zu machen. Wir fahren über eine schmale Strasse in der Lava immer höher bis auf 1800 müM. Die Ausblick und die Lage sind dermassen überwältigend, dass wir uns entscheiden hier zu übernachten. Die Nacht ist sehr still, und überraschend warm. Wir haben eigentlich Minustemperaturen erwartet, doch es bleibt immerhin 8 Grad.
Wir unternehmen die 4 km Wanderung zum Weihnachtskrater. Dieser wurde nach seinem Ausbruch am 25.12.1988 so benannt. Die Erde am Kraterrand ist immer noch warm, und der Ausblick zeigt das Mass an Verwüstung, welche dieser Ausbruch angerichtet hat.
Wir verlassen die Berge und fahren Richtung Küste. Riesige Landstriche liegen in der Verantwortung vom CONAF (Corporacion Nacional Forestal) und privaten Forstbetrieben. Ehrlich gesagt, es sieht fürchterlich aus. Abholzen und Aufforsten soweit das Auge reicht. Leider ist diese Behörde auch für die Nationalpärke in Chile verantwortlich. Hoffentlich bestehen da keine Interessenskonflikte.
Die Strände in dieser Gegend sind schwarz und wir finden auf dem Weg nach Norden immer wieder schöne Plätze zum Übernachten. In der Nähe von Constitution haben wir uns den Campingplatz „Masi’s Place“ ausgesucht, um ein paar Tage zu verweilen. Haare schneiden, Haare färben, Wäsche waschen, Putzen, alles Dinge die fast nur auf einem Campingplatz machbar sind.
Noch immer trennen uns 400 km von Valparaiso, dem nördlichsten Punkt, den wir diesmal in Chile besuchen wollen, bevor wir wieder nach Argentinien wechseln.
Da wir nur noch wenige Tage in Chile sind, wollen wir nochmals unseren Gastank füllen. Bis vor kurzem konnte man dies problemlos an jeder Tankstelle (mit Gas) machen. Neue Vorschriften verbieten es jedoch, ausländische Fahrzeuge mit Gas zu bedienen. Ein erster Versuch bei Copec in Talca scheitert. Einmal mehr dürfen wir uns diskriminiert fühlen. Der Angestellte bedauert es zwar, holt uns jedoch seine schriftliche Weisung, dass er uns nicht bedienen dürfe, und stimmt zu, dass Ausländer hier diskriminiert werden. Er rät uns, zu Petrobras zu fahren. Wie? Petrobras kann, Copec kann nicht? Ja, das käme halt darauf an, ob die die Weisung auch schon haben. Wir fahren mal hin, und erwischen einen jungen Angestellten. Er kennt die Weisung offensichtlich nicht, weiss aber, dass er mit jeder Gasfüllung das Nummernschild des Fahrzeugs im Computer eingeben muss. Unsere Solothurner-Nummer passt nicht in seine Schablone. Etwas ratlos probiert er, uns das zu erklären. Ein Taxifahrer auf der anderen Seite der Säule bietet an, seine Nummer zu verwenden. Der junge Bursche (und wir natürlich auch) nehmen das Angebot ohne zu zögern an. Sehr modern sei unser Auto, meint der junge Mann, füllt 7 kg Gas ein und ist genauso zufrieden wie wir. Das war Glück. Das Unterfangen „Gas“ hätte uns viel mehr Zeit und Nerven kosten können. Jetzt haben wir wieder eine Zeitlang Ruhe.
Um ein bisschen besser vorwärts zu kommen, nehmen wir bis San Fernando die Autobahn. Wir fahren durch das Valle Colchagua. Es ist die Heimat der Carmenere-Traube. Es gibt viele schöne Weingüter in diesem breiten Tal. Wir fahren zum Weingut des Jahres 2017, Viu Manent. Leider gibt es keine Tour mehr an diesem Tag. So gönnen wir uns halt nur ein gediegenes Apéro im Café des Weinguts und dürfen dann auf dem Angestellten-Parkplatz übernachten.
In Laguna Verde, ca. 8 km ausserhalb von Valparaiso schlagen wir uns Lager auf. Berichten zufolge ist es nicht ratsam, mit einem ausländischen Fahrzeug in die Stadt zu fahren. Vielen wurden am Rotlicht oder auf dem Parkplatz die Reifen zerstochen und wurden ausgeraubt. So ist es doch entspannter, mit dem Bus für wenig Geld in 40 Minuten in die Stadt zu fahren. Valparaiso verteilt sich über 45 Hügel, welche über alte Standseilbahnen, Aufzüge oder zu Fuss erklommen werden können. Es gibt wunderschön bemalte Häuser und hübsche kleine Cafés mit herrlicher Aussicht. Auch im Hafengebiet und dem Meer entlang, im Stadtteil El Plan, geht es lebhaft zu und her. Wir geniessen das Bummeln. Am späteren Nachmittag, auf dem Cerro Santo Domingo, einer etwas ärmeren Gegend, werden wir auf einmal von einer Frau angesprochen, die uns vor Dieben in diesen Strassen warnt. So lenken und beschleunigen wir unsere Schritte wieder talwärts und gelangen mit all unseren sieben Sachen sicher zur Bushaltestelle.
Auch der zweite Tag in Valpo verläuft ohne Zwischenfälle. Wir streifen durch die farbenfrohen Gässchen auf dem Cerro Conception und Cerro Alergre und geniessen den sonnigen Tag. Am Nachmittag wollen wir noch Kabel kaufen, damit Herbie den Kühlschrank neu anschliessen kann. Dieser läuft nicht immer ganz reibungslos, und die „Dometic Community“ im Internet rät zu dickeren Kabeln. So starten wir mal im ersten Auto-Shop (die grossen Lautsprecher in den Autos brauchen ja auch dicke Kabel) und lassen uns dann kreuz und quer durch den Stadtteil von Geschäft zu Geschäft lotsen, bis wir Stunden später in einer kleinen Eisenwarenhandlung fündig werden.
Die vorläufig letzte Etappe in Chile führt von Valparaiso quer durch das Land bis zum Cristo Redentor Pass. Enge Serpentinen bringen uns auf 2900 müM, wo wir bei der Skistation El Portillo unser Nachtlager aufschlagen.
Das Wintersportgebiet um Portillo ist eines der größten in Südamerika. Dort fand vom 5. bis 14. August 1966 die 19. Alpine Skiweltmeisterschaft statt, die erste (und bisher auch einzige) Weltmeisterschaft in der südlichen Hemisphäre.
Morgen geht es durch den Tunel del Cristo Redentor nach Argentinien.
 
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