Clorinda - Chos Malal - Die Reiseseite von Doris und Herbie

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Clorinda - Chos Malal

Aktuelle Reisen > 2019 Südamerika
 
Clorinda –  Chos Malal 01.12.2019 – 31.12.2019

Wir verabschieden uns von Ueli und Susanne und René und Marion und verlassen das gemütliche Hastalapasta. Das Füllen des Gastanks an der Puma Tankstelle ist so einfach, und in den umliegenden Ländern so ein Theater. Für die nächsten Wochen sind wir nun wieder versorgt.
Für den Grenzübertritt von Asuncion Richtung Argentinien, wählen wir diesmal die Brücke. Wie an der Fähre ist es chaotisch. Niemand erkennt einfach so, welche Schalter man ansteuern muss. Wir werden also herumgereicht, und offenbar habe ich ein bisschen zu unfreundlich reagiert als uns ein Beamter genau zu dem Beamten zurückschickt, der uns gerade hierhin geschickt hat. Als Resultat müssen wir das Fahrzeug röntgen lassen. Ein junger Soldat holt uns ab, und führt uns zum Glück an der langen Schlange LKW’s vorbei, ganz nach vorne. Selbstverständlich sind wir sauber und dürfen nach der Prozedur fahren.
Eine lange Strecke durch Agrarland Richtung Süden liegt vor uns. Wir übernachten an YPF-Tankstellen oder bei Hotels.
Ich entdecke an meinem kleinen Zeh auf einmal eine schmerzhafte Blase. Nach ein paar Tagen ohne Besserung lasse ich den Zeh mal von Herbie unter die Lupe nehmen. Offenbar ist es keine gewöhnliche Blase, sondern ein Insektenstich oder –biss. Mit dem Vergrösserungsglas im Auge öffnet er sie mit dem Teppichmesser. Tatsächlich hat irgendein Tier seine Eier in meinem Zeh deponiert. Mit der Pinzette werden diese nun rausgegrübelt und rausgedrückt. Hoffen wir mal, dass wir alles erwischt haben. Der Schmerz hat auf jeden Fall nachgelassen.
In Santo Tomé, wo wir einen Richtungswechsel von Süd nach West machen müssen, gibt es einen kleinen Gemeinde-Campingplatz. Von hier aus kann man gemütlich mit dem Bus nach Santa Fé de la Vera Cruz reinfahren. Es ist die reiche, von Landwirtschaft und Industrie geprägte Hauptstadt der Provinz Santa Fé und mit 390'000 Einwohner eine der grösseren Städte Argentiniens. Es gibt eine nette Fussgängerzone mit allem was man braucht. Wir müssen unsere Claro SIM Karte erneuern und Geld wechseln. Das Geld wechseln stellt sich als mühsame und zeitaufwändige Aktion heraus. Wir müssen uns zuerst an einem Schalter registrieren, und uns dann in eine lange Schlange stellen. Zum Glück finden wir eine andere Möglichkeit, um an Bargeld zu kommen. Mehr dazu später.
Der Campingplatz in Santo Tomé gefällt uns gut, er liegt in einer guten Wohngegend und wir erhalten viel Besuch. Ein Englischlehrer, einer seiner Schüler, beides Herren im gesetzten Alter und sogar jemand von der Gemeinde, die ein Foto haben möchten um dies dann irgend in einem Blatt zu veröffentlichen. In dieser Gegend fühlen wir uns wohl und rechnen überhaupt nicht damit, dass in der ersten Nacht nach elf Uhr auf einmal im nahegelegenen Strandlokal eine Party losgeht. Die Musik wird voll aufgedreht, und das ganze Quartier wird beschallt. Die Partygänger sind natürlich alle mit einem fahrbaren Untersatz da. Je lauter der Motor heult, umso besser. An Schlaf ist bis in die frühen Morgenstunden nicht zu denken. Als sich das gleiche am zweiten Abend wiederholt, ergreifen wir die Flucht.
Es geht westwärts bis zum Mar Chiquita, ein typischer argentinischer Ferienort an einem riesigen Salzsee.
Cordoba haben wir uns bereits im letzten Jahr angesehen und fahren daher nur auf der Umgehungsstrasse Richtung Villa Carlos Paz. In den Gebirgen südwestlich der Grossstadt hoffen wir auf angenehme Temperaturen und wollen in der Gegend ein bisschen Zeit verbringen.
Wir hören von unserem Freund Beni, dass es möglich ist, sich per Western Union aus der Schweiz Geld zu senden, und dies momentan zu einem unglaublich guten Kurs, mit sehr wenig Gebühren in fast jedem Ort in Argentinien in einer WU Filiale abgeholt werden kann. Der offizielle Kurs liegt gerade um 60 Peso für einen Schweizer Franken. WU will aber 78 Peso geben. Wir können dies kaum glauben und vermuten irgendwo einen Haken. Die Verlockung ist aber zu gross, und wir machen einen Test mit Fr. 200.--. Das Senden geht über eine App, und kaum 10 Minuten später könnte das Geld bereits abgeholt werden. Sehr gespannt machen wir uns auf den Weg zu einem dieser kleinen Pago Facil Kioske und stellen uns hier in die Warteschlange. Unglaublich aber wahr, es klappt einwandfrei und ein paar Minuten später halten wir das Geld in den Händen. Argentinien wird für uns gute 25% - 30% billiger. Das ist doch ein schönes Vor-Weihnachtsgeschenk.
Wir fahren weiter durch die Berge und besuchen den Condorito Nationalpark, wo man schön wandern und Kondore (leider nur aus der Ferne) beobachten kann.
In hübschen Städtchen Nono bleiben wir ein paar Tage und besuchen auch das ungewöhnliche Rocsen Museum (Museo Polifacético Rocsen). Die unglaubliche Vielfalt von Ausstellungsstücken geht von Parfümflaschen über Schreibmaschinen zu zweiköpfigen Kälbern und Mumien bis zu Meteoriten (und eine Schaublin Drehbank aus Bevilard).
In Merlo, ein Bergdorf mit dem weltweit drittbesten Mikroklima, finden wir einen kleinen sympathischen Campingplatz, geführt von einem netten argentinisch/französischen Ehepaars, ca. 5 km oberhalb der Ortsmitte. Der alte Hund Otto freut sich sehr über ein bisschen Käse oder Banane und weicht nicht mehr von unserem Auto weg. Wandern ist mangels Wanderwegen wie so oft recht schwierig. Wir suchen uns unseren Weg entlang eines Flusslaufs in die Höhe um wieder einmal etwas für unsere Fitness zu tun. Zusätzlich machen wir täglich unsere 10 km ins Dorf und zurück. Eines Abends ziehen dunkle Wolken auf und ein kurzes aber heftiges Hagelgewitter hinterlässt unschöne Dellen auf Kühlerhaube und Solarpanelen. Um die Glasdachluke zu schützen konnten wir gerade noch rechtzeitig ein Frottiertuch zur Dämpfung darüberlegen.
Kurz vor dem Weihnachtsrummel verlassen wir Merlo und fahren in die Sierra de las Quijadas (Kieferknochen). Dies ist ein schöner Nationalpark mit roten Felsformationen, wo man verschiedene kurze und eine lange Wanderung machen, und auch übernachten kann. Für die Weihnachtstage fahren wir über die RP9 in die Sierra San Luis. Die schmale und kurvenreiche Bergstrasse führt auf einen ca. 1800 m hohen Bergkamm. Wir finden einen tollen Stellplatz mit einer wunderbaren Aussicht über das flache Land. Der erste Abend ist so klar, dass wir während des Sonnenuntergangs den weit entfernten Aconcagua ausmachen können. Es gefällt uns hier so gut, dass wir noch einen weiteren Tag anhängen. Es ist sehr heiss, das Thermometer zeigt 38 Grad, und zuerst freuen wir uns, als am Abend etwas Wind aufkommt. Dieser wird jedoch immer stärker und stärker. Das Auto rüttelt und schüttelt, der Sturm zerrt an unseren Solarpanelen und heult und pfeift, so dass an Schlaf nicht zu denken ist. Wir haben bereits so parkiert, dass wir mit der Nase im Wind stehen. Gegen Mitternacht entscheiden wir uns dafür wegzufahren. Zuerst nur hinter einen grösseren Felsen. Dies ist jedoch noch schlimmer, weil wir erstens schräg stehen und der Wind von allen Seiten kommt. Ein paar hundert Meter weiter auf der Strasse zurück erinnern wir uns an ein Gebäude bei einem Antennenmast. Eventuell finden wir dort etwas Windschatten. Im Schritttempo fahren wir dahin und finden zum Glück am Strassenrand eine Felsnische, wo wir reinpassen. Endlich schlafen! Am nächsten erwachen wir im dicken Nebel, bei nur noch 8 Grad.
Nach den Feiertagen fahren wir nach San Luis zum Einkaufen, und dann weiter nach Westen. Die Fahrt bis San Rafael ist langweilig und sehr heiss. Wir freuen uns auf den Atuel Canyon und hoffen auf etwas Abkühlung. Die Fahrt durch die Schlucht ist sehr abwechslungsreich und bietet viele Fotomotive. Der geplante Übernachtungsplatz am obersten Stausee erweist sich als nicht ganz so ideal und schön wie erhofft. Somit entschliessen wir uns, noch bis Malargüe weiterzufahren. Der gute besuchte Camping Municipal für umgerechnet Fr. 2.10 pro Nacht, erinnert uns daran, dass hier die grossen Ferien angefangen haben. Normalerweise steht man auf solchen Plätzen allein oder mit anderen europäischen Overlandern. Der junge Mann in der Touristen Information unterschlägt uns die Information, dass es im Ort ein Planetarium gibt. Dies entdecken wir per Zufall, als es geschlossen ist. Dafür besuchen wir das Pierre-Auger-Observatorium. Dies ist ein internationales physikalisches Großexperiment zur Untersuchung der kosmischen Strahlung.
Etwa 30 km Richtung Anden gibt es eine Felsformation mit einem kurzen Wanderweg zu besichtigen. Das Ganze erweist sich aber als typisch argentinischer Picknickplatz mit vielen Grillstellen, Pool und Kiosk. Die Formation und die Wanderung sind eher sekundär. Für diesen Spaziergang wollen wir aber nicht unbedingt Eintritt zahlen und verzichten. Was machen wir nun mit dem angebrochenen Nachmittag. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass die Strasse Richtung Chile weitergeht und man so einen Bogen zurück auf die Ruta 40 fahren. Der Weg wird immer schmaler und holpriger, doch dafür werden wir mit einer unglaublich schönen Bergkulisse belohnt. Wir übernachten auf einem Plateau und hoffen, dass wir nicht, wie an Heiligabend von einem Sturm überrascht werden. Es bleibt alles ruhig. Am Morgen hören wir auf einmal Stimmen. Eine grosse Herde Ziegen mit zwei Gauchos zieht an uns vorbei. Ein herrliches Bild!
In Chos Malal, weitere 300 km südlich sind wir mit Ilka und Günther auf dem Camping Municipal für den Jahreswechsel verabredet. Dies hat schon fast Tradition. Letztes Jahr haben wir nämlich schon in Puerto Natales zusammen gefeiert. Ein eingesalzenes Rindsfilet und eine (oder zwei) schöne Flaschen Cafayate runden den gemütlichen Abend ab.
Wir kommen gut im neuen Jahr an und freuen uns auf das was es uns bringen wird.


 
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