San Cristobal - Antigua - Die Reiseseite von Doris und Herbie

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San Cristobal - Antigua

Aktuelle Reisen > 2025 Mexiko - Guatemala
San Cristobal de las Casas - Antigua 01.12.2025 – 31.12.2025
Heute  steht der Besuch von Chamula auf dem Programm. Das Dorf liegt ungefähr 12 Kilometer ausserhalb von San Cristobal de las Casas. Die Kirche ist der Grund für den Besuch, denn diese ist eine der wenigen noch erhaltenen Beispiele für die traditionellen Kirchenräume der indigenen Bevölkerung. Es gibt keine Kirchenbänke, der Boden ist mit Kiefernadeln und Reisig bedeckt und an diversen Stellen finden Privatzeremonien statt. Es brennen hunderte, wenn nicht tausende Kerzen und fleissige Helfer sind ständig daran, abgebrannte Kerzen wegzuräumen und die Flammen daran zu hindern, den Kiefernadelteppich in Brand zu setzen.  Der Glaube der Tzotzil von Chamula beinhaltet sowohl die Anbetung christlicher Heiliger als auch traditionelle Rituale, bei denen z. B. Krankheiten geheilt werden sollen. Ein Schamane oder eine Schamanin beschwört durch Rülpsen schädliche Geister, die nach der Vorstellung der Indigenen einen Kranken befallen haben, in ein lebendes Huhn zu fahren, das anschließend getötet wird. Diese Zeremonien finden täglich in der katholischen Pfarrkirche statt. Dabei wird traditionell ein selbstgebrannter Zuckerrohr-Schnaps namens Pox getrunken. In jüngerer Zeit werden auch kohlensäurehaltige Limonaden wie Coca-Cola, Sprite und Fanta bei diesen Zeremonien eingesetzt, diese erleichtern dem Schamanen das Rülpsen.
Als ich hinter mir ein Huhn gackern höre, verschliesse ich rasch die Ohren und blicke woanders hin. Natürlich wurde das unschuldige Tier gemeuchelt, lasse ich mir erzählen. Die Frau habe kurzen Prozess gemacht. Nun gut.
Wir fahren mit dem Collectivo zurück an Sancris und schlendern noch über den Markt. Was für ein Gewusel und Geschrei. Das Gemüse und die Früchte sind sehr schön und frisch. So füllt sich unser Rucksack mit allerlei Leckerem und Gesundem.
Der lügenden Schweizerin von der Panaderia Argentina geben wir noch eine Chance. Wir haben Glück und ergattern das zweitletzte, diesmal frische Vollkorn-Sauerteig-Brot.
Die Fahrt an die guatemaltekische Grenze verläuft ohne Probleme. Nach Comitan hat es praktisch keine Autos mehr auf der Strasse. So sind wir auf der mexikanischen wie auch auf der guatemaltekischen Seite das einzige Fahrzeug für die Grenzformalitäten. Gegen Abend erreichen wir Huehuetenango und übernachten wie gewohnt auf dem Monte Carmelo Campus. Kurve für Kurve, bergauf und bergab führt uns die Panamericana nach Antigua. Lena und Leti begrüssen uns freudig auf dem Vagamundo Camping.
Auch hier ist Brot, und vor allem frisches Brot ein Thema. Reisebekannte empfehlen Le Fournil. Wir bekommen ein wunderbares knuspriges Roggenbrot. Doch schon beim zweiten Kauf ein paar Tage später erscheint das Brot nicht mehr frisch. Wir konfrontieren die Angestellte, aber es wird uns versichert, dass nur ganz frisches Brot verkauft wird. Beim dritten Kauf ist das Brot wieder trocken und wir wechseln zurück zum Italiener vom letzten Jahr. Diesen hatten wir nämlich nach einigem Hin- und Her soweit, dass er uns ehrlich und im Voraus informierte, wann es frisches Brot zu kaufen gäbe.
Wir geniessen die gemütliche, schöne Stadt, trinken unseren täglichen Espresso im Portal am Zocalo und streifen durch die Kunstmärkte. Einzig das Wetter lässt ein bisschen zu wünschen übrig. Wir planen die 1.5 Tagestour auf den Acatenango. Doch dafür muss das Wetter perfekt sein.
Nach drei Jahren ist es Zeit, die Bremsen vom Camper kontrollieren zu lassen. In Antigua gibt es eine Landrover – Garage, die gute Empfehlungen auf für andere Fahrzeugtypen hat. Wir machen einen Termin mit William und sind froh, dass nach der Prüfung alles noch in bester Ordnung ist.
Die Acatenango Tour ist für den kommenden Sonntag, 21.12. gebucht. Der Wetterbericht ist gut, und wir hoffen es bleibt so. Im Moment ist es sehr unbeständig und gewitterhaft.
Claude und Erika treffen ebenfalls auf dem Vagamundo ein und schliessen sich der Acatenango-Tour spontan an.
Es hilft nichts, Training muss sein und wir steigen trotz unsicherer Prognose auf nach San Cristobal El Alto. In den letzten Kurven wird der Himmel immer schwärzer. Es donnert in nicht allzu weiter Ferne. Wir sind zu viert unterwegs und beraten was zu tun ist. Busse und Taxis gibt es keine. Die Einheimischen raten zu Autostopp. Falls dann mal ein Auto käme. Was kommt ist ein geöffnetes Restaurant, in das wir uns in letzter Sekunde retten können, bevor der Himmel die Schleusen öffnet. Wir essen etwas kleines und trinken einen heissen Tee. Es blitzt und donnert und regnet weiter, und Uber kommt ins Spiel. Unerwarteterweise können wir einen Fahrer buchen, der sich aber kurz nach der Bestätigung meldet und meint, die Strecke sei bei diesem Wetter im Fahrzeug viel zu gefährlich. Was für ein Feigling. Es ist eine Kopfsteinpflasterstrasse nach San Cristobal, ca. 300 Höhenmeter über Antigua. Wir fragen im Restaurant nach, ob man vielleicht ein Taxi rufen könnte. Klar, sie könnten aber auch anbieten, mit dem Auto des Restaurants zurück auf den Camping zu fahren. Wir sagen zu, und warten auf das Zeichen, dass das Auto und der Fahrer bereit sind. Nach etwa 30 Minuten fragen wir nach, und es stellt sich heraus, dass der Fahrer auf uns wartet, während wir auf den Fahrer warten. Gut dass dies geklärt ist. Wir brechen sofort auf und werden sicher, warm und trocken kurz vor Einbruch der Dunkelheit im Vagamundo abgeliefert.
Nach einem weiteren Trainingsmarsch auf den Cerro Santo Domingo sind wir bereit für das Abenteuer.
Zwei weitere Reisebekannte schliessen sich an, und so machen wir uns am frühen Sonntagmorgen zu sechst auf den Weg zum Veranstalter «experience gt». Rucksäcke werden umgepackt, Lunchboxen verteilt und Träger gebucht. Wir werden in zwei Tour- Busse verfrachtet und nach La Soledad gefahren. Unterwegs bemerke ich, wie Herbie unruhig hin- und her rutscht und hektisch um sich greift. Der kleine Fotoapparat mit der Speicherkarte wird vermisst. Wir leuchten mit Handytaschenlampen unter die Sitze, nichts. So nützt auch der grosse Apparat nichts, ohne Speicherkarte. Die Stimmung sinkt parallel mit dem Wetter auf den Nullpunkt. Der Guide ruft im Büro an um nachsehen zu lassen, ob der Apparat infolge Toilettengangs irgendwo liegengeblieben ist. «Negativ».
Was nicht zu ändern ist, ist nicht zu ändern, und die anfängliche Enttäuschung weicht der freudigen Erwartung für das kommende Abenteuer. Auf dem Privatparkplatz ca. 300 Höhenmeter über La Soledad finden wir den Fotoapparat im Kofferraum wieder. Irgendwie ist er unter den Sitz gefallen und von dort in den hinteren Teil des Vans gelangt. Allgemeines Aufatmen, und die Welt ist wieder in Ordnung.
Wir beginnen den Aufstieg im dichten Nebel. Schliesslich sind wir ja im Nebelwald. Doch ein bisschen Sonnenschein und blauer Himmel hätten nicht geschadet. Die Wege sind steil und gut ausgebaut, der Untergrund ist griffig. Doch je höher wir kommen wird es kälter und windiger. Schliesslich setzt sogar Regen ein. Die Mittagsrast könnte ungemütlicher nicht sein. Zwei Drittel der Stecke sind geschafft. Das letzte Drittel wird merklich einfacher vom Gelände her, doch das Wetter ist übel. Am späten Nachmittag kommen wir im Base Camp an. Der Name ist Programm. Es ist mehr als «basic». Der Gemeinschaftsraum ist klein und kalt. Die Schemel sind unbequem und es zieht durch alle Ritzen. Das Heizen von Wasser für ein wohlverdientes heisses Tee dauert eine gefühlte Ewigkeit. Die Sicht ist übel. Die Unterkünfte sind winzig. Die Betten unbequem, und die Decken spärlich. Es gibt keine Ablagefläche, knapp genügend Haken für Jacken und Rucksäcke, geschweige denn irgend eine Möglichkeit, nasse Kleidung aufzuhängen. Um 19 Uhr machen sich einige verwegene Mitstreiter mit den Guides auf den Weg auf die vierstündige Wanderung zum Fuego. Wir ziehen es vor, die Pasta aus unserem Lunchpaket von Claude und Erikas Träger im Wasserbad aufheizen zu lassen und die «Wärme» des Aufenthaltsraums zu geniessen. Gegen 21 Uhr ziehen wir uns leicht frustriert in die «Cabana Suiza» zurück. Kaum haben wir es uns einigermassen bequem auf den Stockbetten eingerichtet, natürlich vollständig bekleidet, sogar mit Jacke und Mütze, reisst das Wetter auf, und der Fuego grollt und spukt Feuer. Also heisst es alle wieder raus aus den Federn und rein in die nassen Schuhe. Handy’s und Fotoapparate gezückt trifft man sich bei eisigen Wind vor den schütteren Hütten. Das Spektakel, welches sich uns bietet entschädigt voll und ganz die etwas widrigen Randbedingungen. Die Nacht bleibt klar und der Sonnenaufgang ist mystisch. Nach dem Frühstück ziehen sich die Wolken wieder zusammen, und der Abstieg erfolgt im dichten Nebel und bei Nieselregen. Müde und durchgefroren werden wir in die wartenden Busse gepackt und nach Antigua zurück gefahren. Wir räumen noch ein bisschen auf, sortieren die Wäsche und für den Rest des Tages heisst es Füsse hochlegen und faulenzen.
Bald ist Weihnachten. Nicht viel anders als an Weihnachten in der Schweiz ist es eine Zeit des Schlemmens. Am 23. Dezember sind wir vom Campingplatzpersonal eingeladen, an der Firmenweihnachtsfeier einen kleinen Imbiss zu nehmen. Abends lassen wir uns im Casa Escobar verwöhnen. Vielen Dank Claude und Erika für die liebe Einladung. An Heiligabend findet unter den Campern ein gemeinsamer gemütlicher Potluck statt. An Weihnachten schliesslich sind wir zusammen mit Claude und Erika bei «Onkel» Marcel und seiner bezaubernden Partnerin Iris zum Mittagessen eingeladen.
Nach den gemütlichen Tag holt uns die Realität wieder ein. Unser Toyota hat vorne rechts einen Problembolzen. Dieser ist nämlich gebrochen, und muss irgendwie entfernt werden. Herbie macht sich an die Arbeit, und Stunden später die Hiobsbotschaft. Ein kleiner Rest des Bolzens hat sich in die falsche Richtung bewegt und ist nun irgendwo in den Eingeweiden der Lenkung oder Antriebswelle verschwunden. Was das Ding dort verursachen kann, will man sich nicht ausdenken. Angefragte Experten raten zur Öffnung, Suche und Entfernung des Störenfrieds. Dies ist ein Haufen Arbeit und eine heikle Angelegenheit. Es darf nichts kaputtgehen bei der Demontage, da keinerlei Ersatzteile vorhanden sind. Verschiedene Hilfsmittel wie Waschbecken, Plane, Bremsreiniger und Fett beschaffen wir am Mercado Central und in dem angesagten Ersatzteilladen von Antigua. Natürlich muss auch der gebrochene Bolzen ersetzt werden. Doch Toyota Guatemala behauptet, dieses Teil nicht zu haben und auch nicht aus Japan importieren zu können. Glücklicherweise hat William noch eine gebrauchte Achse an Lager und kann dort einen Bolzen entnehmen.
Herbie beginnt frühmorgens mit der Demontage. Leider muss viel mehr als erhofft weggenommen werden, und das Stück Gewindebolzen zeigt sich widerspenstig. Stunden später ist es endlich geschafft, und der Zusammenbau kann starten. Es wird gereinigt, geschmiert und geschraubt, bis die Dunkelheit hereinbricht und den Elan unterbricht.
William der sechste und William der siebte sind so hilfsbereit und bringen uns den fehlenden Bolzen trotz der Feiertage und Familienbesuch auf den Campingplatz.
So kann der Zusammenbau nun komplett erfolgen.
Der letzte Tag des Jahres bricht an. Er verspricht sonnig zu werden. Der Vulkan Fuego ist aussergewöhnlich aktiv und liefert ein grossartiges Unterhaltungsprogramm. Zusammen mit Claude und Erika geniessen wir vor dieser Kulisse ein Apéro und anschliessend ein Fondue.
Wir wünschen Euch allen einen guten Start ins neue Jahr.
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